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im Kampfraum ostwärts der Oder *
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Aufbau - Gliederung - Einsatz
Jene nächtliche Zusammenkunft der Kommandeure der Pz.Gren.-Ersatz-Brigade GD
am 26. Januar 1945 in Cottbus brachte die Bekanntgabe der Aufstellung der
"Kampfgruppe Langkeit" aus allen Teilen der Brigade. Zu ihr sollte auch der
bereits bei Forst stehender "Alarmverband Schmelter" unter Führung von Major
Petereit wieder zurückgeholt und als Grundstock dieser eiligen Aufstellung
verwendet werden.
Das Stichwort „Gneisenau a“ für die alarmmäßige Zusammenstellung von Kampfgruppen — entsprechend „Gneisenau b“ für den Standort Guben — galt sicher nicht allein der Errichtung einer Alarmeinheit, sondern wohl auch dem Zusammenziehen aller erreichbaren Einheiten für den besonderen Zweck der Verteidigung an der Oder im Falle der Annäherung des Feindes. So entstand nicht nur der "Alarmverband Schmelter" unter diesem Stichwort, sondern auch die "Kampfgruppe Gersdorf", die "Kampfgruppe Langkeit", die "Alarm-Brigade GD" u.a.m. Die Aufstellung der "Kampfgruppe Langkeit" aus der personell verhältnismäßig starken "Pz.Gren.-Ersatz-Brigade GD" mit ihren Standorten Cottbus und Guben nimmt ihren Anfang am 26. Januar 1945. Sie beruht letztlich auch auf der Erkenntnis, dass eine starke Kampfgruppe in Abwehr und Verteidigung mehr leisten würde als mehrere kleinere mit ungenügender Ausrüstung und mangelhafter Versorgung. — Die Lage an der Front im Osten — soweit man hinsichtlich ihres Zusammenhanges von einer solchen sprechen kann — zeigt das Bild unentwegt vordringender Armeen der sowjetischen 1. Weißruß. Front unter Schukow südlich Posen vorbei in gerader Linie auf Frankfurt, zur Oder zu, um diese vor den zerschlagenen und ungeordnet zurückflutenden deutschen Verbänden zu gewinnen, mehrere große Brückenköpfe zu schlagen und aus diesen heraus dann die entscheidende Schlacht um die Reichshauptstadt zu eröffnen.
Von deutscher Seite her setzt man alle Hoffnung auf
die TirschtiegelStellung, die sich in ihrem Verlauf an die Seen-Kette von Kopnitz über Bentschen — Tirschtiegel-Zetsche nach Norden bis an die
Netze, südwestlich Driesen anlehnt und in aller Eile durch Bunker,
Feldstellungen, Panzergräben u. ä. in verteidigungsfähigen Zustand versetzt
worden ist. Eine zweite Stellung ist in ähnlicher Anlage westlich Schwiebus,
westlich Meseritz, westlich Schwerin im Ausbau begriffe. Doch was nutzen
Stellungen und Verteidigungsanlagen, wenn die entsprechenden Besatzungen
fehlen?
Wohl sind einige örtliche Alarm und
Volkssturmeinheiten vorhanden, die bei mangelnder Bewaffnung und nur
geringem Kampfgeist in diesen Stellungen Wache schieben. Aber ihr Kampfwert?
Was sind sie gegen Schukows Armeen mit
Stalin-Panzern, Sturmgeschützen, Stalinorgeln und Massen sowjetischer
Infanterie?
Mit allen Mitteln führt die Oberste deutsche
militärische Führung aus dem Boden gestampfte Einheiten in diese
Abwehrlinie, rafft Stäbe zunächst ohne Truppen zusammen und versucht in
letzter Minute - und doch zu spät
in dieser Linie eine neue Verteidigung zu
organisieren. Für sie ist auch die "Kampfgruppe Langkeit" vorgesehen; das
entsprechende Aufstellungstempo wird seitens der Kommandostellen auf das
äußerste gesteigert. So geht es in Cottbus wie in einem Bienenhaus zu.
Oberst Langkeit, seit dem 1. November 1944 Kommandeur der
Pz-Gren.-Ersatz-Brigade, ein alter Panzerführer und Ritterkreuzträger,
erlässt die entsprechenden Befehle; Major i. G. Spaeter, gerade von der
Kriegs-Akademie nach Cottbus zurückgekehrt und dort auf seine neue
Verwendung wartend, übernimmt die Geschäfte des ‚Ersten
Generalstabsoffiziers‘, sucht sich entsprechende Offiziere und Männer für
einen kleinen Stab und betreibt die Aufstellungsarbeiten. Dies sieht
zunächst ganz einfach aus, zumal die Brigade schon seit Monaten in ihrer
Gliederung den möglichen Einsatz von Kampfgruppen für die Front vorgesehen
hatte.
Das "Pz.Gren.Ers.- u. Ausb.rgt. GD" findet in dem
zurückkehrenden "Alarmverband Schmelter" sehr schnell den Grundstock zur
Bildung des 1. Btl./Pz.Gren.Rgt.
mit etwa 4 - 5 Kompanien, das unter Führung von
Major Petereit gestellt wird. Mit seiner Adjutant, Oblt. Wechmann, stellt er
schnell 3 Schtz.-Kompanien und eine MG.-Kompanie zusammen, vornehmlich aus
jungen Rekruten mit alten Ausbildern und damit erfahrenen Führern und
Unterführern. Mit Fahrzeugen der verschiedensten Typen kann der Verband
eben noch fahrbereit gemacht werden.
Das II. Btl./Pz.Gren.Rgt. entsteht unter dem Befehl von Major Schöttler, Adj.
Lt. Neher, mit der 6. —8. Schtz.Kp. , 9. (MG.) und 10. (Gr.We.) Kp., dessen
Personal teilweise aus den Marsch-Kompanien, aus Genesenden, bei der 7. Kp.
vornehmlich aus Versprengten, die in Cottbus aus den Zügen herausgeholt
waren, zusammengestellt wird. Die Unterführer stellen zumeist die Brigade.
Die Fahrzeuge sind überwiegend Opel-BlitzFunkwagen, deren Holzgaser-Motoren
teilweise noch umgewechselt werden müssen.
Die Artillerie - zunächst eine Abteilung - wird in Guben bei der "Pz.Art.Ers.- und Ausb.Abt. GD" aufgestellt. Niemand weiß aber zunächst, ob dies für das "Pzanzer-Korps Gro
βdeutschland", die "Kampfgruppe Langkeit" oder für die "Führer-Begleit-Division" geschieht. Die um diese Zeit zahlreich einlaufenden Aufstellungsbefehle für verschiedene GD-Einheiten werden immer wieder abgeändert.
Unter Führung von Major Hammerich entsteht ein Art.Rgt.-Stab mit Teilen
Nachr.-Zug, Adj. Oblt. Mahnke; dann ein Abteilungsstab unter Führung Hptm.
Buboltz, bis dahin Chef 1. (schw.) Art.Ers. u. Ausb.Abt.GD, mit Lt. Vogel
als Adjutant.
Lt. Rolke stellt dazu eine schw. Batterie mit 2 s.FH. aus Uffz. und Mannschaften der 1. Batterie zusammen, Lt. Esslinger eine Batterie l.FH. mit Uffz. und Mannschaften aus der 4. Batterie und Oblt. Künkel eine l. Fla-Batterie mit 4 Einlingen 2 cm, 4 Zwillingen 2 cm, 4 Einlingen 3,7 cm auf Zugmaschinen. Weiter entsteht in Quben aus der 3. (Stu. Gesch.) Batterie so etwas wie eine Sturmgeschütz-Brigade, die unter die Führung eines Oberleutnants gestellt wird. Wenn auch die Zugmaschinen aus dem Fahrzeugpark der Pz.Art.Ers. u. Ausb.Abt. entnommen werden können, so fehlen doch jegliche anderen Fahrzeuge. Die müssen vom Zivil beschlagnahmt werden.
Für das Pz.Gren.Rgt. wird zunächst Obstlt. Klüver als Kommandeur eingesetzt, der sich auch um die Aufstellung der Regimentskompanien kümmert. So die 11. (IG.) Kp. als schwere Inf.-Waffe in der Hand des Rgt.-Kommandeurs unter Führung von Lt. Dahlinger, Zugführer Lt. Promalo, Ofeldw. Fey, usw. Die Kompanie setzt sich aus l.IG. und s.IG. zusammen, im Mot.-Zug, alte Hasen in den wichtigsten Funktionen, daneben junge Rekruten.
An Panzern wird alles das aus den Fahrzeughallen herausgeholt, was sich an
Ausbildungsfahrzeugen der Pz.Ers. u. Ausb.Abt. GD in Cottbus noch findet:
holzgasbetriebene Panzer, teilweise ohne Turm, ohne Geschütze, die nichts
haben als ihre Panzerung. Major Hudel, derzeitig Kdr. der Ausb.-Abteilung,
ebenfalls erfahrener Panzer-Kommandeur, stellt sich einen verwegenen
Panzerhaufen zusammen, der sich anfangs etwa so gliedert:
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Das war im Anfang alles.
Als die erste Einheit dieser Kampfgruppe in
der Nacht 26. /27. Januar 1945
es ist das 1. Btl./Pz.Gren.Rgt. mit Major Petereit - vorweg nach Frankfurt
abmarschiert, ist es in der Tat mehr ein Haufen als ein geschlossener
Verband. Doch sind Stimmung und Moral der Männer hervorragend; alle sind
gewillt, sich auch im Kampf gegen eine Übermacht voll einzusetzen.
Major Hammerich erfährt in Frankfurt, dass er mit seinen Teilen der
Kampfgruppe Langkeit unterstellt sei, und zieht von Guben her die Abt.
Buboltz zunächst bis Frankfurt-Ostteil nach. Noch in der Nacht zum 29.
Januar geht die Batterie Rolke mit Batterie-Trupp weiter vor bis Neuendorf
die Zugmaschinen folgen durch Schnee und über vereiste Wege.
Ziel für alle ist zunächst Frankfurt a.d.
Oder, wo sie neue Befehle über ihren Einsatz erhalten sollen. Oberst
Langkeit, mit Major i. G. Spaeter bereits vorausgefahren, erfährt dort
seinen ersten Auftrag:
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„Kampfgruppe Langkeit versammelt in und um Reppen, greift den nach NO in Richtung Stettin vorgehenden Gegner in der tiefen Flanke an und gewinnt die Tierschtiegel-Stellung bei Zielenzig“. |
Sofort verlegt der Kampfgruppen-Stab weiter nach Neuendorf - Gutshof und schlägt zunächst dort seinen Gefechtsstand auf. Im übrigen werden Erkundigungen über die Lage, den Standpunkt anderer Einheiten und vor allem über Feindbewegungen eingeholt.
In der Nacht zum 31. Januar erreichte die Einheiten, teils im Landmarsch, teils im Bahntransport über Frankfurt a.d. Oder in Aufstellungsraum Reppen – Polenzig – Großrade – Leißow – Gut Kunersdorf, und nimmt nach und nach Verbindung mit dem Kampfgruppenstab auf.
Von der Feindlage ist am 30. Januar 1945 besonders für den Raum Reppen - Sternberg nicht viel bekannt. Man hört nur von zurückflutenden Flüchtlingen, die aus Richtung Schwiebus kommen, dass Feind mit zahlreichen Panzern im Vormarsch sei, einzelne deutsche Kampfgruppen vor sich hertreibend, während sich Volkssturmbataillone noch in einzelnen Orten abseits der Vormarschrichtungen der Sowjets hielten. Im übrigen seien unzählige Fahrzeuge im Anzuge auf Reppen - Frankfurt, um die Oder zu überschreiten, bevor die Russen heran seien. Irgendwo in oder bei Sternberg sei noch Waffen-SS. Auch ein SS-Stab läge dort in der Nähe, aber Truppen, deutsche Truppen? Nein - viel sei nicht zu gewesen sehen.
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Reppen
© Ove
Kronborg, 2006 |
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Da die Kampfgruppe am 31. Januar noch nicht
mit allen Teilen versammelt ist, wird Einsatz auf den 1. Februar verschoben.
In der Nacht zum 1.
Februar stellte Langkeit seine Truppen in zwei Kampfgruppen:
Kampfgruppe Hudel und
Kampfgruppe Klüver.
Auftrag des
Kampfgruppe Hudel:
Über
Koritten – Spiegelberg nach Grünow vorzustoßen und Gegner vernichten. Nach
Erreichen des ersten Angriffsziels Eindrehen nach Nordosten, um in Flanke
des feindliche Versammlungsraums auf Schönow zu stossen.
Auftrag des
Kampfgruppe Klüver: Über
Grünow auf Neulagow vorzustoßen.
Sogleich werden die bei Reppen ausgestellten
Sicherungen des 1. Btl./Pz.Gren.Rgt. eingezogen, das II. Btl./Pz.Gren.Rgt.
wird mit 7. Kp. als Spitze auf der Straße zunächst bis Pinnow angesetzt.
Auftrag: Durchstoßen bis Sternberg und Befreiung einer Kampfgruppe von
Heeres-Teilen und SS-Verbänden aus ihrer Einschließung nördlich Sternberg.
Anscheinend handelt es sich um ein dort untergezogenes Generalkommando z. b.
unter SS-Obergruppenführer, General der Waffen-SS, Friedrich Wilhelm Krüger.
Zu diesem Zweck wird die Art.Abt. unter Hptm.
Buboltz mit ihren beiden Batterien überschlagend eingesetzt, wobei die 2.
Bttr. Lt. Rolke nordwestlich Reppen, die 3. Bttr. - Lt. Esslinger - später
bei Pinnow Stellungen beziehen.
Bis Pinnow geht alles klar; die Bataillone
ziehen vor, der Gef.-Stand Pz.Gren.Rgt. verlegt nach Pinnow - Gutshof.
Hier werden zwei Kampfgruppen aus dem Regiment
gebildet, die motorisiert in Richtung Sternberg antreten sollen. Lediglich
die 7. Kp. und je eine Gruppe beider Bataillone verbleiben in Pinnow zur
örtlichen Sicherung.
Von Nordosten her ist Infanterie- und Panzer-Feuer zu vernehmen, was auf den Durchbruch der Waffen-SS schließen lässt. Fla-Geschütze der Batterie Künkel gehen bei Pinnow in Stellung.
Oberst Langkeit folgt unmittelbar der Spitze in Richtung Sternberg.
Es ist um die Mittagszeit. Plötzlich tauchen
von Nordosten her Feind-Panzer auf und schießen nach Pinnow hinein. Gleich
eine das erste Pz.-Granaten trifft das Uhrenhäuschen des Gutshauses, so dass
es herunterkracht - fast auf den Kopf von Obstlt. Klüver, der gerade vor das
Haus getreten ist. Alarm! Feindpanzer vor Pinnow! Meldung an Oberst Langkeit!
Ausgesandte Spähtrupps stellen fest, dass Feind mit Panzern und
nachfolgender Infanterie-Kolonnen nördlich Pinnow vorbei in Richtung Reppen
zieht! Es geht auf den Abend zu. Vorne bei der Spitze, die am Volkssturm der
Ortschaften vorbeifährt, wird endlich Verbindung mit dem eingeschlossenen
SS-Gef.-Stand aufgenommen, der in einem Gutshaus bei Kerzenlicht
untergezogen ist. Seine Truppen - außer wenigen SS-Einheiten nur
Alarmverbände, Volkssturm und RAD - sind weit nach Osten verstreut; aber es
steht nicht einmal fest, ob sie dort, wo sie sein sollen, auch wirklich in
Stellung sind. Man vermutet das nur. Bei der Aufnahme der Verbindung mit dem
Generalkommando der SS wirkt auch eine Jagd-Panzer-Kompanie unter Führung
von Oblt. Lützow mit, die aus dem Nichts auftaucht. Oberst Langkeit
unterstellt sie sich sofort. Diese Pz.Jgd.Stu.Gesch.Kp. 1551 unter Oblt.
Wolf-Dieter Lützow ist dem Oberst nicht ganz unbekannt. Vor Schaulen
(Litauen) im Oktober 1944 schlug er diese Kompanie in einer gefährlichen
Situation mit seinen Panzern (Pz.Rgt. GD) heraus. Seitdem kennen sich der
Oberleutnant und der Oberst. Nun kommen die Kp. aus Milowitz bei Prag, wo
sie aufgefrischt worden war. Die Verbindung zur Kampfgruppe Langkeit wird
gerade in dem Augenblick hergestellt, als die Lage für die Spitze der
Kampfgruppe nicht ganz herrlich ist.
Inzwischen löst sich der SS-Korps-Stab z. b. General
Krüger[1]
aus seiner unerfreulichen Lage und rückt
unter dem Schutze der Kampfgruppe Langkeit eilends in Richtung Westen, nach
Frankfurt, ab.
Aber auch die vordersten Teile des Pz.Gren.Rgt. werden
nun schnell zurückgezogen. Der Plan, weiter in Richtung Sternberg zu ziehen,
muss fallen lassen werden, zumal der Feind längt nördlich Pinnow, aber
neuerdings auch schon südlich in eiligem Vormarsch auf die Oder zu ist.
Sofort verlegt das 1. Btl. unter Major Petereit nach Reppen, dicht gefolgt
von dem II. Btl., das um Mitternacht ebenfalls in Reppen eintrifft.
Letzteres bezieht unter dem Schutz dort eingebauter 8,8-cm Flak zum
Panzerbeschuss Stellungen am Ortsrand - Blickrichtung Osten und Nordosten.
Ebenso macht die nordwestlich Reppen stehende 2. Bttr. Lt. Rolke in den
Abendstunden Stellungswechsel nach Neuendorf gerade als die ersten
feindlichen Panzergeschosse in Reppen einschlagen.
Kampfgruppen-Gefechts-Stand wird in einem Gutshaus in Neubischofsee
aufgeschlagen. Es liegt hart nördlich der Straße, an einem Straßenknick. Und
diese Straße ist verstopft von sich stauenden Flüchtlingsfahrzeugen, die
nach Westen wollen, und den nach Osten vorziehenden Kolonnen der Kampfgruppe
Langkeit, die der Befehl zur Rückkehr noch nicht erreicht hatte. Es ist ein
wüstes Durcheinander, in das nun die auf den Höhen nördlich der Straße
auffahrenden Feind-Panzer - darunter schwerste Josef-Stalin-Panzer -
hineinschießen. Kaum sind die ersten Fahrzeuge auf der Straße getroffen und
in Brand geraten, da geben diese wie brennende Fackeln das gespenstische
Ziel für weitere Granaten aus den Rohren der Feind-Panzer.
Kein Zweifel: den Feind kümmert nicht so sehr
die Kampfgruppe Langkeit auf der Straße Reppen - Kunersdorf; sein Ziel ist
die Oder, um dort vor den deutschen Truppen Brückenköpfe zu gewinnen und in
einem Zug zugleich bei Frankfurt den Rückzug der noch ostwärts stehenden
deutschen Verbände abzuschneiden. Zu diesem Zweck ist er nördlich der Straße
Reppen auf den Höhen und in dem panzergünstigen Gelände mit der Masse seiner
Panzer, während südlich des Reichs Strasse 167 in dem parallel verlaufenden
Waldgelände die Masse seiner Fußtruppen entlangzieht. Das II. Btl./Pz.Gren.Rgt.
steht unterdessen mit letzten Teilen in Reppen mit dem dort stationär
eingebauten 8,8-cm-Fla-Geschützen und einigem Volkssturm; Die Kampfgruppe
Langkeit - mit der Masse ihrer Fahrzeuge auf der Straße in zwei Kolonnen -
versucht mit ihrer Spitze verzweifelt, den auf der Straße zwischen
Kunersdorf und Neubischofsee sitzenden Gegner zu durchbrechen und die
eigenen Fahrzeugpulks wieder abfließen zu lassen. Die Lage ist mehr als
unglücklich. Unendliche Züge von Flüchtlingstrecks, die ebenso wenig wie die
Kampfgruppe weiterziehen können, hindern die Bewegungen und das Vorziehen
schwerer Waffen an die jetzt nach Südwesten gerichtete Stoß-Spitze. Sie
erleiden erhebliche Verluste durch das aus den Wäldern südlich der Strasse
immer wieder aufflackernde sowjetische Infanterie-Feuer, wie durch die von
Norden her anfliegenden Panzergranaten der T-34 und JS-Panzer. Allerdings
gehen diese Panzergranaten nicht nur auf die Straße, sondern auch in den
nahen Waldrand hinein. Oftmals ertönt lautes Geschrei der dort
entlangziehenden Sowjet-Infanterie, die durch die Granaten der eigenen
Panzer getroffen wird. Trotzdem bleibt die Lage für die Kampfgruppe Langkeit
sehr gefährlich angesichts der von allen Seiten drohender Vernichtung, ohne
die Möglichkeit der Entfaltung der eigenen Abwehrkraft. Oberst Langkeit ist
dauernd an der Spitze südwestlich Neu-Bischofsee, zusammen mit Major Rudel
und den wenigen Panzern, und versucht verzweifelt, den Gegner dort zu
werfen. Hinten am Schluss der Kolonne hocken noch immer die
Panzer-Grenadiere in ihren Stellungen in Reppen und müssen des zunehmende
feindliche Art.- und granatwerfer-feuer über sich ergehen lassen, das,
untermischt mit Panzerfeuer, in die Stellungen und Häuser der Stadt
einschlägt. Ein Vorstoß von 10 Feind-Panzern gegen Reppen kann im
zusammengefassten Feuer der 8,8-cm-Flak unter Abschuss von einigen Panzern
abgeschmiert werden, desgleichen wird ein feindlicher Infanterie-Vorstoß
gegen die Stellungen der 6. Kp. -Oblt. Kühne - abgewehrt.
Schließlich erfolgt für die Nacht Befehl an
II. Btl./Pz.Gren.Rgt. in Reppen, sich unter Vernichtung der Fahrzeuge
abzusetzen und entlang der Straße bis Neu-Bischofsee durchzuschlagen. Dieser
an sich wahnwitzige Befehl wird durch die unhaltbare Lage in Reppen und
beiderseits der Straße erzwungen, so dass Oberst Langkeit wie sein Ja mit
dem Gedanken spielen, die ganze Kampfgruppe zu Fuß durch die Wälder in
Richtung Frankfurt durchbrechen zu lassen. Die einzige noch vorhandene
Achtrad-Pz.-Spähtrupp (Lt.
Kurt Grau,
Lt. Kurt Wichmann) wird daraufhin durch den Forst Reppen zur Wegeerkundung
angesetzt, entsprechende Befehle werden vorbereitet.
Am 31. Januar 1945 gegen 23.00 Uhr werden in
Reppen lautlos die Fahrzeuge wie die schweren Waffen zerstört. Der Marsch
wird zu Fuß nach Westen angetreten. Die vorhandenen Batterien der Art.Abt.
Buboltz, hart südlich von Neuendorf in Feuerstellung, schießen nach allen
Seiten Planfeuer auf Waldwege und Wege-Kreuzungen, beobachtetes Feuer nach
Drenzig und in Richtung Kunersdorf, während Lt. Esslinger bereits die
Feuer-Leitung bei Neu-Bischofsee aufnimmt und die Durchbruchsversuche auf
Kunersdorf zu unterstützen sucht. Die Lage ist verzweifelt. Nachdem die
Stalinpanzer von Norden her mehrmals durch das Dach des Gutshauses
geschossen hatten, ist der Kampfgruppen-Stab in die Keller gezogen, wo auch
die anfallenden Verwundeten versorgt werden.
Alles hofft noch auf die Wegeerkundungen des
Pz.-Spähtrupps Grau und sein Durchkommen nach Frankfurt. Erste Funkmeldungen
klingen verheißungsvoll; alles bereitet sich auf den Fußmarsch durch die
Wälder vor. Unterdessen werden die Verhältnisse am 1. Februar auf der
Reichsstraße 167 zwischen Neuendorf und Neu-Bischofsee immer schwieriger;
Die Kolonnen der Verbände verkeilen sich völlig in die Flüchtlingstrecks.
Das anhaltende Infanterie-Feuer aus den südlichen Waldrändern steigert die
allgemeine Nervosität noch weiter. Panzergranaten fauchen mit hartem Schlag
von den Höhen nördlich her über die Straße und schlagen mit hartem Knall in
den Wald ein. Feuchter Nieselregen, Nebel und Dunst verdüstere die ganze
Gegend.
Die in den Waldschneisen aufgestellte
Flak-Kampftrupps s.MG.Gruppen und Paks schießen die Waldwege entlang, wenn
sie wieder ein Russenhaufen überspringen will.
Vorne, vor Kunersdorf, werden die bisher
erfolglosen Durchbruches Versuche wieder aufgenommen. Panzerknacker von
Oberst Rudel tauchen endlich am Himmel auf und hauen mit ihren Bomben und
Panzergranaten in die Waldstücke. Endlich, endlich haben auch die draußen
etwas von der verzweifelten Lage der Kampfgruppe bemerkt. Die Flugzeuge
Rudels bringen den auf der Straße Harrenden etwas Entlastung und ein klein
wenig Hoffnung, dass doch noch ein Ausweg Gefunden werde. Währenddessen
werden alle schweren Waffen nach vorn gezogen; die Artillerie geht mit ihren
beiden Batterien unmittelbar Nordostwerts Neu-Bischofsee in Stellung und
eröffnet das Feuer auf die umliegenden Waldstücke. Das II. Btl.JPz.Gren.Rgt.
wird zu Fuß nach vorn gezogen, ebenso die Fla-Batterie, soweit sie nicht
gegen die Waldränder eingesetzt ist. Im Gutshaus bei Neu-Bischofsee herrscht
beim Kampfgruppen-Stab überreizte Nervosität. Der verfluchte Stalin Panzer
knallt weiter stur durch das Dach des Hauses. Die Frau des Gutsbesitzers
kümmert sich selbst um die hier befindlichen Männer: sie hilft und bereitet
Essen, kocht ununterbrochen Kaffee und Suppen. Ihre Tochter zieht von Raum
zu Raum, versorgt die im Keller auf Stroh liegenden Verwundeten und spricht
ihnen Mut zu.
Der
Kampfgruppen-Kommandeur, Oberst Langkeit, entschließt sich gegen Abend des
2. Februar, alle seine Kommandeure zu einer Besprechung zusammenzurufen. Es
muss ein Ausweg gefunden wird - so oder so! Es ist gegen 23.30 Uhr, als alle
Kommandeure in einem Holzschuppen versammelt sind. Schweigend hören sie den
kurzen Lagebericht des Ia. Major i. G. Spaeter an, der in seinem Inhalt
trostlos klingt: überall eingeschlossen! Dazu die Munitionslage. Die
Artillerie hat je Rohr gerade noch 2 Granaten! Der Durchbruch scheint unter
diesen Umständen ausgeschlossen, es sei denn, man entschließt sich, zu Fuß
durch die Wälder zu stoßen, um wenigstens die Menschen zu retten! Der Oberst
zitiert den Führer-Befehl: wenn jemand unter den Kommandeuren da sei, der
einen besseren Weg wisse als er, so möge er den Befehl und die Führung des
Haufens übernehmen! Er habe keine Mittel mehr, aus dieser Lage
herauszukommen! Es ist 23.55 Uhr kurz vor Mitternacht. Übernächtigt und
schweigend gehen die Führer der Einheiten auseinander. Und doch kommt man
schließlich zum Schluss, dass alles daran gesetzt werden müsse, mit Gewalt
auf Kunersdorf durchzustoßen. Besser es fallen einige Männer und opfern
sich, als dass alles hier unter dem zusammengefassten Feuer der Sowjets
draufgeht. Der Kampfgruppen-Kommandeur Oberst Langkeit hat sich die
Argumente seiner Kommandeure angehört und gibt nun den Ausbruchsbefehl
klar und sachlich.
Der Angriff soll 3. Februar in den frühesten
Morgenstunden entlang der Straße mit den wenigen noch verfügbaren Panzern
von Major Hudel erfolgen. Doch der Versuch misslingt. Das 1. Btl./Pz.Gren.Rgt.
unter Major Petereit greift daraufhin erneut rechts der Straße (nach NW) in
den Wald hinein an, um den dort immer wieder flankierend wirkenden Gegner
zum Schweigen zu bringen. In schwerem Nahkampf gelingt es Petereit, sich
dort mit seinen Männern festzusetzen, das Waldstück zu säubern und damit die
Flankierung auszuschalten. Die Hetzer der Jagdpanzer-Kompanie werden nun
nach vorn gezogen, Hudel greift ebenfalls entlang der Straße an und endlich,
endlich gegen 14.00 Uhr ist der Gegner geworfen. Die ersten Fahrzeuge an der
Spitze der Kolonne fahren, den Panzern folgend auf Kunersdorf zu. Dort kommt
es an einem Panzer-Riegel der Sowjets noch einmal zu einem kurzen
Feuergefecht, bei dem sich Feldwebel Riedmüller durch Abschuss von 4 T-34
besonders auszeichnet. Als er mit seinem Hetzer die anderen T-34 wegen des
ungünstigen Geländes nicht erreichen kann, steigt er kurz entschlossen aus
seinem Panzer und vernichtet zwei weitere mit der Panzer-Faust. Für diese
Tat wird er mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Immer mehr Fahrzeuge rollen
nun durch Kunersdorf, am Flugplatz vorbei in die Vorstadt Frankfurts ein.
Das II. Btl./Pz.Gren.Rgt. bezieht zunächst
Flankenstellungen in Kunersdorf, während die Artillerie sofort
Stellungswechsel bis an die ersten Häuser Frankfurts macht, um von dort aus
den Bewegungen artilleristisch zu überwachen. Die Masse der Kampfgruppe
Langkeit jedoch zieht zunächst in der Damm-Vorstadt Frankfurt unter,
gliedert neu, sammelt und verlegt dann auf das West-Ufer in die Kasernen an
der Ausfall-Straße nach Westen. Lediglich das II. BtL/Pz.Gren.Rgt., die
Art.Abt. Buboltz, die 11. (IG.) Kp. Verbleiben noch auf dem Ostufer der
Stadt und halten einen Brückenkopf um die Damm-Vorstadt, die laufend ihre
Verstärkung durch Festungstruppen aus Frankfurt erhält.
4. Februar um 02.00 Uhr haben die letzten
Teile der Nachhut Kunersdorf durchschritten.
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Ehemaliger Fliegerhorst Kunersdorf
Foto: © Ove
Kronborg, 2006
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Das II. Btl./Pz.Gren.Rgt. wird am Flugplatz Kunersdorf in schwere Kämpfe
verwickelt, bei denen Major Schöttler verwundet wird. Hptm. Windeck, bisher
Führer der Btl.Vers.Kp., übernimmt der Führung. Gerade diese Kämpfe im
Brückenkopf Frankfurt, die in den ersten Tagen nur von den Männern des II.
Btl./Pz.Gren.Rgt. zusammen mit einer Kompanie kroatischer Gebirgsjäger der
7. SS-Freiwilligen Gebirgs-Division Prinz Eugen und Unterstützung der 11.
(IG.) Kp./ Pz.Gren.Rgt. und der Art.Abt. ausgetragen werden, verhindern
einmal die überraschende Wegnahme des Brückenkopfes Damm-Vorstadt durch die
Sowjets, zum anderen schaffen sie die Möglichkeit, diesen Brückenkopf zu
verstärken und schließlich bis Mitte April 1945 zu halten, zum dritten geben
sie der Kampfgruppe Gelegenheit zur Auffrischung und Neu-Ordnung. Die
Verluste dieses Bataillons, das wiederholt in den Wehrmachtsberichten
anerkennend genannt wird, sind im Verhältnis hoch, auch an Vermissten; u. a.
sind Oblt. Kühne, Chef 6. Kp. und einige Gruppen der gleichen Kompanie
darunter.
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Laut |
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Brief ab 8.10.2006 von seinem Sohn Joachim Krüger
Quellen:
Major i. G. Helmuth Spaeter, Ia (Operationsoffizier) in
der Kampfgruppe Langkeit
Gespräche mit ehem. Soldaten, Zivile Zeitzeugen, Tagebücher, Briefe, umfangsreiche Archivstudien, u. div. Literatur.